Shoyoroku
Wolfgang Walter, E'un-Ken

Wolfgang Walter, E'un-Ken (Wolke der Weisheit)

ist 1948 geboren, verheiratet und hat 3 erwachsene Kinder. Er schulte sich über 20 Jahre unter Roshi Willigis Jäger, bei dem er sein Koan-Studium abschloss. Im Jahr 2000 wurde W. Walter zum Zen-Lehrer der Sanbo-Kyodan-Schule ernannt. 2004 ernannte ihn auch sein Lehrer Willigis Jäger zum Zen-Lehrer.

Beim Internationalen Zen-Lehrer-Treffen im August 2006 wurde er von Roshi Yamada, dem Oberhaupt der Sanbo-Kyodan-Schule als Meister bestätigt und der Name E'un-Ken verliehen, d.h. "Wolke der Weisheit". Dieser Name geht zurück auf den 6. Patriarchen Hui-Neng.

Wolfgang Walter ist vor allem im Süden Deutschlands und in Österreich tätig und hält Sesshins ab. Seit einigen Jahren wurden seine Kurse auch von der Bayerischen Landesärztekammer als Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte zertifiziert.

Shoyoroku

Das Shoyoroku (chin.: Ts’ung-jung-lu) enthält eine Sammlung von 100 Koans, die im 12. Jahrhundert von dem chinesischen Zen-Meister Wanshi Shogaku (chin.: Hung-chih Cheng-chüeh, 1091-1157) zusammengestellt wurde. Dieser war zunächst Schüler, dann Dharma-Nachfolger des chinesischen Meisters Tanka Shijun (chin.: Tan-hsia Tzu-ch’un).

Vor seinem Tod übertrug Wanshi Shogaku die Vollendung des Shoyoroku Meister Daie Soko (chin.: Ta-hui, 1089-1163), des Dharma-Nachfolgers von Engo Kokugon (chin.: Yüan-wu K’o-ch’in). Ta-hui ermunterte seine Schüler immer wieder, sich in die überlieferten Worte der alten Meister zu vertiefen.

Die Koan-Sammlung wurde in seiner Einsiedelei der „Klause des Gleichmuts“ vollendet und bekam den entsprechenden Titel „Buch des Gleichmuts“.

Einleitungsgespräch zur Koan-Sammlung Shoyoroku mit Gabriele Diop


Diop: Sie haben sich, wie ich erfahren habe, in den letzten Jahren sehr viel mit den Koans aus dem Shoyoroku beschäftigt.

WW: Das ist richtig. Das Shoyoroku gehört zu den letzten großen Koan-Sammlungen, mit der sich jeder Zen-Schüler, auseinandersetzen muss, vorausgesetzt, er arbeitet mit Koans.

Diop: Können Sie mir etwas über die Entstehungsgeschichte des Shoyoroku erzählen?

WW: Das Shoyoroku, im chinesischen Ts’ung-jung–lu genannt, wurde im zwölften Jahrhundert von dem chinesischen Zen-Meister Wanshi Shogaku zusammengestellt. Shogaku war zunächst Schüler des chinesischen Meisters Tanka Shijun und später dessen Nachfolger. Kurz vor seinem Tod übertrug Shogaku die Vollendung des Shoyoroku Meister Daie Soko, dem Dharma-Nachfolger von Engo Kokugon.

Diop: Was bedeutet der Name Shoyoroku?

WW: Shoyoroku wird übersetzt als „Buch des Gleichmuts“ und ist benannt nach dem gleichnamigen Ort der Einsiedelei, in der das Buch vollendet wurde.

Diop: Worum geht es in dieser Koan-Sammlung Ihrer Meinung nach vor allem?

WW: Es geht in dieser Sammlung von Koans vor allem darum, Gleichmut und Gelassenheit in den verschiedenen Sichtweisen von Form und Leerheit, sowie deren Integration zu entwickeln.

Diop: Aber sind nicht in dieser Sammlung auch Koans aus früheren Sammlungen enthalten?

WW: Das ist richtig. Mehr als ein Drittel der Koans sind dem Mumonkan und dem Hekiganroku entnommen. Die Tatsache, dass Meister Shogaku der Soto-Schule angehörte, macht deutlich, dass die Schulungsmethoden im alten China, aber auch später in Japan sehr vielseitig waren. Aus diesem Grund griff man gerne auch immer wieder auf das Hilfsmittel „Koan“ zurück.

Diop: Sie meinen, dass sich auch die Soto-Schule jener Zeit der Koans bediente? Ich dachte, hier wird ausschließlich nur Shikantaza geübt.

WW: Das Koan galt damals wie heute als ein hervorragendes Mittel in der Schulung des Zen. Dabei geht es im Wesentlichen um die verschiedenen Aspekte von Form und Leerheit. Jedes Koan drückt sich dabei in einem anderen Verhältnis dazu aus. Wenn Sie die Entwicklung des Zen-Weges betrachten, so steht dabei am Anfang die Form, durch die dieser Körper und alle Phänomene in Erscheinung tritt. Erst nach und nach erfahren wir die Leerheit alles Phänomenalen, also auch des Körpers. Die große Erfahrung der Leerheit, in der die eigene Person unbekannt bleibt, ist ein erster und ganz wesentlicher Schritt auf dem Zen-Weg, in der man die eigene Form auf ganz neue Weise erlebt. Im Folgenden geht es um die Integration von Form und Leerheit in den verschiedenen Aspekten und Sichtweisen. Gleichzeitig findet ein Ausloten der Leerheit in Beziehung zur Form statt. Dieser Prozess ist ein Weg ohne Ende und man sagt, dass sich selbst Buddha noch heute weiter schult.

Diop: Könnten Sie diese beiden Aspekte näher beschreiben?

WW: Form und Leerheit sind wie zwei Schwestern, von denen eine jede der anderen den Vortritt lässt. Die Leerheit sagt: „Ich bin nicht leer, ich bin Form“, während die Form sagt: „Ich bin nicht Form, ich bin ganz leer.“ Es gibt ein sehr wesentliches Koan aus dem Mumonkan „Sejo und ihre getrennte Seele“, das darauf hinweist. Nach langer Zeit treffen sich die beiden Sejos, Form und Leere wieder und vereinigen sich. Genau das ist meiner Meinung nach der Punkt, der verwirklicht werden muss. Es ist dieser Kreuzungspunkt zwischen Form und Leere, der Punkt, in dem sich beide treffen und zur Einheit werden. Diesen Schnittpunkt nenne ich oft Dynamik. Diese Dynamik ist sich seiner selbst so wenig bewusst, wie der Wind sich seiner selbst bewusst ist. Um die Verwirklichung dieses Faktums bemüht sich jeder Zen-Schüler im Zen. Das Shoyoroku ist eine Koan-Sammlung, die voll von den Aspekten dieser beiden Ebenen und deren Vereinigung ist. Um das näher beschreiben zu können, ist es notwendig, gleichsam spielerisch die Ebenen zu wechseln, immer jedoch im Hinblick auf das eine Ganze. Im Laufe der Zeit eröffnen sich unserem Bewusstsein immer tiefere Schichten.

Diop: Zen zu vermitteln ist sicher eine schwierige Sache.

WW. Ja. Es ist sicher die größte Herausforderung in meinem Leben, das, wie ich meine, Teil von etwas Größerem ist. Dieses Größere jedoch beschreiben zu wollen, dazu reichen Worte oft nicht aus.

Diop: Trotzdem versuchen Sie es in jedem Sesshin.

WW: Ja. Und ich sehe jedes Mal die Unmöglichkeit, die Ganzheit des menschlichen Daseins vollständig zu beschreiben.

Diop: Wie ist es, wenn sich Lehrer und Schüler treffen? Es kommt hier doch bestimmt sehr oft zu einem sehr intensiven Austausch von Frage und Antwort?

WW: Das ist richtig. Es werden in diesem Austausch vom Lehrer mehrere Ebenen benutzt, dem jeweiligen Schüler angepasst. Manchmal handelt man mit der Kraft des Schülers, der einem gegenüber sitzt, und manchmal lässt man die eigene Wesensnatur selbst wirken. Manchmal verhüllt man sich oder handelt vollkommen frei, manchmal verwendet man Hilfsmittel, man lacht oder ärgert sich. Manchmal erscheint man als absolute Wesensnatur und manchmal als unterschiedliche Erscheinungsform. Manchmal gibt der Lehrer dem Schüler Recht und manchmal nimmt er ihm alles weg. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Schüler sich in seinem wahren Wesen täuscht. In diesem Fall erkennt der Lehrer diesen momentanen Standort und wirft den Schüler in die große Leere. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie es Situationen gibt.

Diop: Könnte man sagen, dass die Übung des Zen unser Bewusstsein in ein neues Land trägt?

WW: Ja. Obwohl dieses Land weit hinter dem Horizont unseres Universums zu liegen scheint, entwickelt es sich gleichzeitig in diesen Augenblick hinein. Dieser Augenblick kann nie überschritten werden, er liegt in unserem Wesen selbst. Die Antwort auf all unsere Fragen kann uns nur ein bewusstes Leben geben, ein Leben voller intensiv erlebter Augenblicke. Was am Ende bleibt, ist eine Art bewusstloses Bewusstsein. Jedes einzelne Koan trägt zur Selbstfindung bei „wer bin ich wirklich?“ und eröffnet uns neue und tiefere Schichten dieser Ur-Wirklichkeit.

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